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09.05.2019

Lesen am Limit

6,2 Millionen Erwachsene können nicht richtig lesen und schreiben. Viele sind nur schwer für Weiterbildung zu erreichen. Doch es gibt kluge Projekte.

Eine neu veröffentlichte Studie der Universität Hamburg zeigt erschreckende Ergebnisse:  Rund 6,2 Millionen Menschen, das heißt etwa 12 Prozent aller Erwachsenen  in Deutschland,  können  einfache Texte nicht verstehen.  Die Herausgeber*innen der Studie sprechen hierbei von „geringer Literalität“. Mehr als 60 Prozent der Betroffenen sind trotzdem berufstätig. Sie haben gelernt, ihre fehlenden Lesefähigkeiten zu verbergen, indem sie z.B.  Formulare zu Hause mit Hilfe von Freunden ausfüllen oder Kolleg*innen um Hilfe bitten. Doch mit zunehmender Digitalisierung und wachsenden Anforderungen in der Arbeitswelt wird dies schwieriger.

„Inzwischen gibt es zahlreiche Kurse und Fortbildungen, wo auch Erwachsene besser lesen, schreiben oder rechnen lernen können“, betont Sabine Raab vom Projekt BasisKomPlus beim gemeinnützigen Bildungsträger Arbeit und Leben Hamburg.  Doch diese Angebote werden von den Betroffen noch viel zu selten genutzt: „Die Hürden sind sehr hoch. Menschen, die Probleme mit dem Lesen und Schreiben haben, trauen sich oft nicht zu, eine ihnen fremde Einrichtung zu besuchen, wie z.B. die Volkshochschule. Ihr Ansatz ist deshalb:  Gezielte Hilfe dort, wo die Betroffenen sie direkt benötigen – am Arbeitsplatz.  Denn fehlende Lese und Schreibkompetenzen können gravierende Folgen haben.  Zum Beispiel , wenn die Betroffenen Bedienungsanleitungen für Maschinen nicht lesen oder Pflegedokumentationen nicht richtig ausfüllen können.

Sabine Raab besucht Betriebe und ermittelt – gemeinsam mit den Mitarbeitenden – den Bedarf an Fortbildungsangeboten. Dann berät sie die Betroffenen, welche Kurse geeignet sind und unterstützt sie bei der Anmeldung. Oder sie organisiert passgenaue Angebote, wie z.B. Inhouse-Schulungen zur PC-Nutzung.

Ihre Kollegin Canan Yildirim vom Projekt „Mento – Grundbildung und Alphabetisierung in der Arbeitswelt“ geht einen ähnlichen Weg.  Sie und ihr Team bilden in Betrieben sogenannte Mentoren und Mentorinnen aus, die als kollegiale Ansprechpersonen ihre Kollegen und Kolleginnen mit Grundbildungsbedarf unterstützen und sie z.B. über Weiterbildungsangebote informieren.  Zusätzlich berät sie Betriebsräte und Personalverantwortliche.

„Wir können sicherlich nicht in kürzester Zeit einen Menschen mit Problemen beim Leseverständnis zu einer Literaturexpertin weiterbilden“, betont Sabine Raab.  „Aber wir können dazu beitragen, dass die Betroffenen selbstsicherer werden und ihre Kenntnisse so erweitern, dass Arbeitsplätze erhalten  bleiben.“

Sämtliche Angebote der Projekte „BasisKomPlus“ und „Mento“ sind kostenfrei.  Informationen finden sich auf der Website www.hamburg.arbeitundleben.de/basiskomplus, bzw. www.hamburg.arbeitundleben.de/mento.

Die Projekte werden im Rahmen der Alphadekade gefördert vom Bundesministerium für Bildung und Forschung.

Information zur Studie:
https://www.bmbf.de/files/2019-05-07%20leo-Presseheft_2019-Vers10.pdf